Im hohen Alter alleine sein - Für viele Seniorinnen und Senioren ist dies leider die tägliche Realität. Die Gründe für die meist ungewollte soziale Isolation können vielfältig sein. Einerseits tritt Einsamkeit ein, wenn sich der gewohnte Alltag plötzlich verändert – wenn z.B. eine Erkrankung eintritt, der Lebenspartner verstirbt oder etwa eine Trennung. Mit einem Schlag fällt ein Lebensmittelpunkt weg: Die Familie. Der Ehepartner ist nicht mehr da, die Kinder und Enkelkinder wohnen weit weg und anderweitige Kontakte sind kaum vorhanden. Das Sozialleben ist nicht mehr ausgefüllt und Vereinsamung droht.

Andererseits können auch Krankheiten oder eine körperlich eingeschränkte Mobilität, sowie die zunehmende Altersarmut zur Vereinsamung führen. Ist man auf Hilfe angewiesen, können viele Senioren nicht mehr eigenständig das Zuhause verlassen und infolge nicht am sozialen Leben teilhaben.

Corona fördert Einsamkeit

Um ein Vielfaches verstärken die gegenwärtigen Maßnahmen und eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten die soziale Isolation, noch dazu hat man Angst, sich durch die Teilhabe am sozialen Geschehen im öffentlichen Leben schlimmstenfalls mit Corona anzustecken. Als logische Konsequenz geht man noch weiter in den Rückzug. Der Mensch ist allerdings von Natur aus ein soziales Wesen, was wiederum die gesundheitlichen Folgen der Isolation noch schwerwiegender ausfallen lässt.

Deutsche fühlen sich im sehr hohen Alter einsam 

Eine Studie der Deutschen Alterssurvey hat ergeben, dass sich zwar generell wenig Menschen im mittleren und hohen Alter einsam fühlen. Dennoch steigt das Gefühl der Einsamkeit im sehr hohen Alter stark an, wobei Frauen stärker von der Einsamkeit betroffen sind als Männer. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen im Durchschnitt ein höheres Älter erreichen und demnach statistisch gesehen eher alleine sind, im Vergleich zu den Männern.

Folgen der Einsamkeit

Die Auswirkungen von Einsamkeit sind dabei nicht zu unterschätzen. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass sich Einsamkeit ähnlich negativ auf die Gesundheit auswirken wie die Risikofaktoren Übergewicht oder Rauchen.

Darüber hinaus erhöht Einsamkeit die Gefahr, an Depressionen zu erkranken. Depressionen sind eine tückische Erkrankung, die Betroffene schnell in eine Abwärtsspirale fesseln, aus der man schwer alleine herauskommt. Zu den typischen Symptomen zählen Antriebslosigkeit, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit. Man kann sich kaum aus dem Bett aufraffen und zieht sich immer weiter zurück. Anders als bei jüngeren Menschen macht sich der Beginn einer Depression mit diffusen Beschwerden bemerkbar: So treten im Anfangsstadium häufig Symptome wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schwindelanfälle auf; die charakteristische Stimmungsveränderung etabliert sich schleichend im Hintergrund.

Was tun gegen Einsamkeit?

Sich einsam zu fühlen, ist schlimm. Besonders, wenn man das Gefühl hat, alleine nicht dagegen anzukommen. Im Folgenden haben wir einige Tipps gesammelt, um sich mit ein wenig Aufwand der Einsamkeit zu entziehen. Und das weitestgehend ohne die eigene Gesundheit durch das Corona-Virus zu gefährden.

Brieffreundschaften

Über handschriftliche Briefe in Kontakt zu bleiben, wurde schon vor hunderten von Jahren etabliert. Damals war dies das einzige Kommunikationsmittel um mit der Familie oder Bekannten und Freunden in Kontakt zu bleiben. Der gemeinsame Austausch gibt Menschen ein Gefühl der Nähe. Auch Senioren- und Pflegeheime haben die Bildung von Brieffreundschaften während der Corona-Pandemie unterstützt und mehrere Aufrufe gestartet, um ihren Bewohnerinnen und Bewohnern etwas Abwechslung vom Alltag zu bieten und ihre Geschichte erzählen zu dürfen. Dies wurde von Bewohnern und Außenstehenden besonders gut aufgenommen.

Dies war der Startschuss für die Kölner Initiative Stift und Papier“, gegründet von deutschen medialen Bekanntheiten deren Ziel es ist, Jung und Alt auf Papier zusammenzubringen. Mittlerweile wurden schon über 14.000 Briefkontakte vermittelt, Tendenz steigend. Auf der Webseite kann man sich bei Interesse an einer Brieffreundschaft eintragen und sich eine Brieffreundin oder einen Brieffreund vermitteln lassen.

Haustiere

Haustiere sind schon seit hunderten von Jahren die treuen Begleiter der Menschen. Wenn nicht in der Rente ein Haustier zulegen – wann dann? Tiere tun Menschen gut – sie sind ausgeglichener und ruhiger, allgemein wird das Wohlbefinden der Menschen gefördert. So haben Hunde zum Beispiel eine mildernde Wirkung auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Stress. Beim Spielen wird gelacht und Endorphine werden ausgeschüttet. Schnell entwickelt sich eine tiefe Verbindung zwischen Haustier und Herrchen, sodass sich das Haustier meist im Handumdrehen zu einem guten Freund und Seelentröster entwickelt.

Dies ist besonders bei älteren Menschen eine schöne Möglichkeit, der Einsamkeit zu entfliehen. Außerdem können durch Haustiere neue soziale Kontakte aufgebaut werden. Regelmäßiges Gassigehen an der Frischluft fördert zudem das Immunsystem und ist eine willkommene Abwechslung in Pandemiezeiten. Aber Achtung: Ein Haustier bringt stets Verantwortung mit sich. Daher muss sich vor der Anschaffung gut überlegt werden, ob man in der Lage ist das Tier seinen Bedürfnissen entsprechend zu versorgen. Ebenso wichtig ist es zu klären, was im Krankheitsfall des Besitzers mit dem Haustier passiert.

Telefonseelsorge

„Einfach mal reden!“ - Das ist das Motto der Telefonseelsorge „Silbernetz e.V.“ aus Berlin, das älteren Menschen einen Weg aus der Einsamkeit geben möchte. Der Verein kombiniert dabei ein in Deutschland einzigartiges, dreistufiges Hilfs- und Kontaktangebot. Völlig anonym und vertraulich kann man hier anrufen, wenn man eine akute Krise oder einfach nur Redebedarf hat. Wenn man auf der Suche nach längerfristigen Kontakten hat, kann man sich sogenannte Silbernetz-Freund/innen vermitteln lassen, die einen regelmäßig im wöchentlichen Abständen kontaktieren. Darüber hinaus gibt es die Silberinfo. Hier wird man über Angebote in der umliegenden Nachbarschaft informiert und außerdem professionelle Hilfe und neue Kontakte vermitteln. Das Silbernetz e.V. ist unter der folgenden Telefonnummer erreichbar: 0800 4 70 80 90 - anonym, vertraulich, kostenfrei, täglich von 08:00 bis 22:00 Uhr.

 

Einsamkeit im Alter kann schleichend eintreten und tückische Folgen haben. Umso wichtiger ist es, früh dagegen anzukämpfen. Als außenstehende Person sollte man schnell agieren, wenn man die Vermutung hat, dass ein Angehöriger einsam ist. Insbesondere in der gegenwärtigen Situation muss man ein Auge auf die älteren Angehörigen haben und lieber einmal zu viel anrufen, als gar nicht. Mithilfe unserer Tipps kann der erste Schritt hinaus aus der Einsamkeit getan werden.

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